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KRITIK
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SHOW
Schlecht, dass
wir schon wieder drüber
geredet haben
 14.11.08
- Nun könnte scho
man sich schon wieder
seitenweise darüber
auslassen, ob sich Gottschalk
blamiert hat, ob die Gäste
genug illuster waren,
warum manche internationale
Gäste so bald schon
wieder das Feld räumen,
ob die Wetten spannend
genug waren und ob die
unverhohlene Werbung angebracht
ist ... Aber das hat die
Presse nun schon viele
dutzend Male getan. Und
doch findet sich für
jedes Presseportal und
für jedes Print-Tagesprodukt
am Montag wieder ein Schreiberling,
der sich der Wettshow
annimmt, als wäre
es eine heilige Pflicht
der Berichterstatter.
Aufmerksamkeit tut
nicht Not
Dabei wird offenbar jedesmal
aufs Neue vergessen: es
ist NUR eine Sendung wie
jede andere auch, die
nicht solche Aufmerksamkeit
auf sich zieht. Ganze
Nacherzählungen im
Aufsatzstil lassen sich
im Internet auch diesmal
wieder finden. Aber warum
eigentlich? Weil es Tradition
ist? Das ist eher unwahrscheinlich,
denn wer schert sich in
der schnelllebigen Medienwelt
noch groß um Traditionen.
- Weil die Sendung so
toll ist? Ständig
sinkende Quoten zeigen:
Auch das ist wohl nicht
richtig. - Weil wir in
Deutschland kaum Sendungen
von Format haben? Das
ist schwer zu beantworten.
Man müsste dies an
anderer Stelle einer genaueren
Untersuchung unterziehen.
Falls es stimmt, dann
wäre das schon ein
richtiges Armutszeugnis.
Falls es höchstwahrscheinlich
falsch ist, sind wir also
wieder am Anfang und keinen
Schritt weitergekommen.
Vielleicht ist doch einfach
eine nur eingefahrene
Sache. Man redet hat drüber,
weil man immer drüber
geredet hat. Und das obwohl
immer weniger Leute überhaupt
einschalten. Man seziert
jeden Furz, den Gottschalk
lässt und lässt
brav nichts unbeobachtet.
Da betrifft die hohen
Kritikkünstler genauso
wie die Sekretärinnen,
die sich in der Kaffeeküche
austauschen. Die zu recht
totgesagte Samstagabendunterhaltung
findet hier ein ständig
wiederkehrendes Echo,
das in dem Maß völlig
ungerechtfertig ist. Also:
Pssst!
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SHOW
»Uri
Geller« oder: Wie
man eine Fernsehnation
verarscht
 16.11.08
- Hat eigentlich irgendjemand
ernsthaft geglaubt, dass
sich just an diesem Abend,
an dem sich Pro7 anschickt,
zum Thema Aliens eine
großangelegte Show
zu machen, kleine graue
Männlein endlich
offenbaren, die bislang
aus irgendeinem Grund
nicht getan haben? Und
das nur, weil sich der
größte (nennen
wir ihn mal) Illusionist
dieser Welt namens Uri
Geller zu Nutze des eigenen
Bankkontos gewohnt effektvoll
als Sender zur Verfügung
stellt? Na, wohl kaum
... Aber die Hoffnung,
dass wir endlich mal Kontakt
mit etwaigen Außenweltern
bekommen, ist enorm, so
dass sich wohl viele Deutsche
erwartungsvoll und chipstütenbewaffnet
vor den Bildschirmen versammelt
haben dürften. So
sollte also etwas gelingen,
worum sich ernsthafte
Wissenschaftler seit Jahrzehnten
vergeblich bemühen.
Skepsis im Vorfeld hätte
auch nicht nur beim Namen
Uri Geller aufkommen müssen.
Auch die weitere Gästeliste
mit Erich von Däniken,
der seit Jahrzehnten mit
der Aliensuche erfolgreich
vor allem in finanzieller
Hinsicht fährt, dem
"nexten" Uri
Geller Vincent Raven,
der auf seine ureigene
Art versucht, Kontakt
herzustellen versuchte
- er hat eben einen Vogel,
und Nina Hagen, von der
man sich nie ganz sicher
sein kann, ob ihre "Masche"
eine geschickte PR-Strategie
ist. Falls nicht, kam
sie einem Außerirdischen
wahrscheinlich noch am
Nächsten, denn "nicht
ganz von dieser Welt"
zu sein trifft wohl auf
sie am ehesten zu.
Mit Lichtgeschwindigkeit
in die Hoffnungslosigkeit
Abgesehen von dieser schon
sehr fragwürdigen
Runde entwich gleich zu
Beginn der Show alle vermeintliche
Hoffnung als erstes ins
All, als klar wurde, WIE
Kontakt aufgenommen werden
sollte. Mit Lichtgeschwindigkeit
und natürlich der
unerhörten mentalen
Hilfe von Uri Geller und
der Pro7-Nation, flogen
Botschaften in den Weltraum,
abgesendet über ein
handelsübliches Radioteleskop.
Bis zum Ende der Sendung
hatten diese gerade einmal
das Sonnensystem verlassen,
also es - vergleichen
wir es mal mit einer Weltreise
- bis zum Abstreifer vor
der Haustüre geschafft.
Für die Ankunft bei
einem Alienplanet kann
Pro7 sicherheitshalber
schon mal eine Show vielleicht
im Jahre 4125 planen.
"The over-over-over-over-over-over-over-over-next
Uri Geller" wird
dann Pate jener Sendung
sein.
Da man das alles beim
Sender im Voraus wusste,
blieb konzeptionell nichts
anders überig, als
ein paar armselige Computerbildschirme
im Studio aufzustellen
und einen bedauernswerten
Kerl davorzusetzen, der
auf die wiederholten Fragen,
ob schon was zu sehen
ist, jedesmal natürlich
hilflos verneinen musste.
Gut, dass es noch die
Aussenstelle in der Ukraine
gab, wo man das mühsam
beschäftigt-tuende
Wissenschaftler-Team gottseidank
nicht verstanden hat.
Als Übersetzung bekam
man soagr einmal zu hören,
dass sich "irgendwas"
tut - "irgendwas
ist nicht normal".
Was da nicht normal ist,
hätte man ihnen sagen
können ... Selbstverständlich
gab es auch hier nichts
Konkretes - nur heisse
Luft. Was hätte auch
sein sollen? Auch im Studiobildschirm
schlug ein einziges Mal
die Kurve nach oben aus.
aber auch hier: Satz mit
x. War doch nur irgendwas
von der guten alten Erde
gewesen.
Forum für Spinner,
Wichtigtuer und Geldmacher
Und weil das natürlich
für eine abendfüllende
Samstagsshow noch nicht
reicht, gab es auch eine
Annahmestelle, wo die
Gutgläubigen und
Freaks eigene Erlebnisse
schildern und aus dem
Internet zusammengeklaubte
angeblich beweisbringende
Clips einschicken konnten.
Ein prächtiges Forum
für Spinner und Wichtigtuer.
Unterfüttert wurden
diese einzelnen Elemente
mit dokumentarischen Einspielern,
die man bestimmt schon
mal bei »Galileo«
oder ähnlichen Magazinen
gesehen hatte.
Nur ein einziges Mal kam
so etwas wie echte Spannung
auf. Ein Pärchen,
dass von sich behauptet,
wiederholt von Außerirdischen
entführt worden zu
sein, wurde hypnotisiert
und wiederholte in dem
Zustand diese Behauptung.
Falls es wirklich eine
echte Hypnose war, dann
sollte das nachdenklich
machen und den Sachverhalt
in seriöse Hände
geben und dann eine wirklich
wissenschaftliche Sendung
darüber produzieren.
Vielleicht war es aber
auch nur Show - wie der
inszenierte Rest des Abends
...
Die Naivität geschickt
ausgenutzt
Das (übliche) gewinnbringende
Telefonvoting erbrachte
am Ende - was ein Wunder
- ein 93%iges Pro auf
die Frage "sind wir
allein im All?" -
Sehr repräsentativ,
wenn man bedenkt, wer
da natürlich bis
zum Schluß nicht
weggezappt hat. Aber:
Was für eine bescheuerte
Fragestellung! Natürlich
sind wir nicht allein
im All. Das wird niemand
behaupten können,
der von der Größe
des Weltalls weiß.
Nur: wie weit sind intelligente
Wesen netfernt, die in
der Lage sind, mit uns
zu kommunizieren. Sehr
weit, das ist mit hoher
Sicherheit zu befüchten.
Falls allerdings tatsächlich
schon welche auf der Erde
waren oder sind, werden
sie sich ganz bestimmt
eine Samstagshow eines
deutschen Privatsenders
aussuchen, um sich zu
outen. Die Naivität
stirbt zuletzt.
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SHOWS
Kurz- und Langeweile
so dicht beieinander
  9.11.08
- An diesem Samstag konnte
man den direkten Vergleich,
wie zwei Sender glauben,
eine gute Samstagabendunterhaltung
bewerkstelligen zu können,
schön vor Augen gehalten
bekommen: Immer wenn es
bei »Wetten, dass
...?« mal wieder
langatmig wurde - und
das war verdammt oft so
- half ein Druck auf die
Fernbedienung zu RTL.
Der Sender zeigt zur Zeit
mit »Das Supertalent«,
eigentlich ganz ungewohnt
für die Kölner,
dass auch eine Castingshow
- noch dazu eine mit Dieter
Bohlen - sehr unterhaltsam
sein kann. Und obendrein
noch nicht mal skandalträchtig.
Ganz erstaunlich: Man
fürchtete beim Zappen
mehr eventuelle Entgleisungen
des Altmeisters vom ZDF,
als Bohlens oftmals zu
lockere Sprüche.
Und auch hier ganz erfreulich:
die Jury von »Das
Supertalent« erfreut
durch erfrischende und
treffende Kommentare und
Entscheidungen. Auf der
öffentlichen Seite
gab es lahme Wetten und
ebenso lahme Promis und
Stars auf der Couch -
auf der anderen, privaten
Seite viele unbekannte
Menschen, die durch ihre
oft großartigen
Auftritte sich in die
Herzen des Publikums ackerten.
Natürlich machten
auch die sich Blamierenden
mehr Spass, als die Wettverlierer
im ZDF. Schliesslich wird
keiner gezwungen, auf
die Bühne zu gehen.
Und gerade die Jüngsten,
um deren "Ruf"
man ob ihres Alters vielleicht
noch bangen müsste,
waren mit guten Auftritten
sowieso die großen
Gewinner der RTL-Sendung.
Da hat man bei der Vorauswahl
schon vorgesorgt, dass
sich nur solche Kandidaten
bloßstellen, die
einfach unverbesserlich
sind in ihrer Selbsteinschätzung.
Vielleicht hat man doch
etwas Verantwortung dazugelernt.
Mit dem Zweiten sieht
man nicht besser
Die Quoten, die von Ausgabe
zu Ausgabe weiter sinken,
machen es deutlich: »Wetten
dass ...?« stinkt
immer mehr ab. Die Wetten
werden - was kann man
dagegen schon machen?
- nach so langer Zeit
immer langweiliger und
sowieso machen sie nur
einen Bruchteil der aufgepumpten
Show aus. Das dünne
Gelabere und die unverhohlene,
anscheinend nötige
Werbung für Filme
und Serien, damit erfolgreiche
Promis überhaupt
ihren Hintern in eine
Fernsehshow bewegen, ist
nur schwer auszuhalten.
Man verfolgt die Sofasitzungen
mit einem Anflug von peinlicher
Berührtheit, ob der
vielen heissen - besser
lauwarmen - Luft, die
mit den Mündern erzeugt
wird. Die zugegeben oft
hochkarätigen Musicacts
können den beklagenswerten
Hauptsendeanteil nicht
mehr retten. Das Gesamtkonzept
und die Art, wie damit
umgegangen wird, hat sich
überlebt und man
sollte den Todeskampf
beenden, bevor es dramatisch
wird. andeisme Abend hatten
die Zuschauer bei RTL
jedenfalls eine gelungene
Alternative.
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